Tipps und Tricks – Vorgesorgt für den Ernstfall, die Patientenverfügung

Ich denke, jeder von euch hat schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, wenn die Bestehende oder eine andere Erkrankung die Macht übernimmt und einem die Fähigkeit zu kommunizieren raubt. In einem solchen Zustand werden mit großer Wahrscheinlichkeit lebenserhaltende Maßnahmen wie Beatmung, künstliche Ernährung und Ähnliches notwendig. Diese Behandlungsformen sind nicht von jedem gewünscht. Kann man sich aber nicht mehr äußern, so ist es auch nicht möglich, mitzuteilen, dass man auf keinen Fall beatmet werden möchte oder dass man künstliche Ernährung ablehnt. Hier ist es ratsam, wenn man eine Patientenverfügung erstellt hat, in welcher der eigene Wille klar und deutlich niedergeschrieben wurde.

Was ist eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung ist ein Dokument, auf welchem du deinen Willen formuliert hast, für den Fall, dass man dich nicht mehr fragen kann. Dieses Dokument muss nicht von einem Notar oder Arzt ausgestellt werden. Man kann es allein, zu Hause am Computer verfassen. Es ist jedoch wichtig, dass es ausgedruckt und mit Ort und Datum unterschrieben an einem oder mehreren, für andere zugänglichen Plätzen aufbewahrt wird. Auch der Hausarzt kann in deiner Patientenakte eine Ausfertigung hinterlegen.

Für wen wird eine Patientenverfügung empfohlen?

Um die eigenen Wünsche und Werte im Ernstfall kommunizieren zu können, ist es für jeden sinnvoll, eine Patientenverfügung verfasst zu haben. Sätze wie „So etwas passiert mir doch nicht.“ Sind zwar menschlich, aber der Fall der Fälle kann immer eintreten. Niemand kann voraussagen, ob aus der nächsten Ausfahrt ein Raser schießt und dich überfährt.

Was muss ich beim Schreiben beachten?

Es ist möglich, eine Patientenverfügung ohne ärztliche oder notarielle Hilfe zu schreiben. Es gibt jedoch einige, wichtige Punkte, welche unbedingt beachtet werden müssen. Dazu zählen zum Beispiel folgende, formelle Stichpunkte:

  • Volljährigkeit
  • Eine Patientenverfügung ist nur gültig, wenn der Verfasser zum Zeitpunkt der Unterschrift volljährig ist.
  • Einwilligungsfähigkeit
  • Zum Zeitpunkt des Schreibens muss der Verfasser bei völligem, geistigem Bewusstsein sein.
  • Das Dokument muss aus freien Stücken geschrieben sein.
  • Schriftliche Ausfertigung
  • Dieses Dokument muss zwingend schriftlich vorliegen, um Gültigkeit zu erlangen. Hierbei ist es egal, ob es von Hand oder mit einem Computer geschrieben wurde.
  • Angaben über Name, Datum und Ort müssen zwingend vorhanden sein. Auch eine Unterschrift ist erforderlich.
  • Ein Notar wird nicht benötigt.

Der Inhalt der Patientenverfügung

So viel zu den Formalitäten, jetzt gehts ans Eingemachte.

Der erste Satz, welcher mir einfällt, wenn ich an Diskussionen denke, die ich mit meinem sozialen Umfeld geführt habe, zum Thema lebenserhaltende Maßnahmen, lautet: „Ich möchte nicht an Schläuche gekettet sterben.“

Sätze wie diese sind äußerst unpräzise und helfen Ärzten und Angehörigen in der Entscheidung über lebenserhaltende Maßnahmen nicht weiter. Gültigkeit erlangt eine Patientenverfügung nur, wenn sie eindeutig genug ist, um den wahren Willen des Patienten nachzuvollziehen. Somit ist es ratsam, wenn man nicht nur für allgemeingültige Situationen wie eine fortschreitende Demenzerkrankung oder für den Verlust des Bewusstseins, zum Beispiel durch einen Unfall seine Wünsche formulierst, sondern auch diese mit deinen Werten und Normen, nach denen du lebst, sowie mit deinen religiösen Absichten und deiner Weltanschauung begründest. Daraus können dann Rückschlüsse gezogen werden, im Falle, dass du aus einem, nicht explizit formulierten Grund nicht mehr selbst über dein Leben entscheiden kannst. Du könntest also zum Beispiel folgendes schreiben:

„In Situationen, welche durch Unfall, Krankheit oder etwas Ähnliches den Tod absehbar machen lehne ich jegliche Art von lebenserhaltenden Maßnahmen ab. Auf natürliche Weise wünsche ich die Befriedigung körperlicher Bedürfnisse wie Hunger und Durst, zum Beispiel durch Hilfe bei der Nahrungsaufnahme.“

Weitere, wichtige Punkte, die ich empfehle zu beachten wären der Behandlungswunsch bei Schmerzen, Präferenzen zwischen Lebenserhaltung und Schmerzbehandlung. Aber auch Künstliche Beatmung muss auch zwingend bedacht werden, wenn diese gewünscht ist, unter welchen Voraussetzungen? Atemnot, Panikattacken oder doch lieber das Stillen dieser Empfindungen und Gefühle durch Medikamente? Beschäftige dich unbedingt auch mit dem Thema Wiederbelebungsmaßnahmen. Möchtest du diese eingesetzt haben, im Falle eines Herzstillstandes, zum Beispiel oder lieber nicht?

Auch über das Spenden von Organen im Falle des Hirntods solltest du nachdenken und deinen Standpunkt diesbezüglich formulieren. Bist du im Besitz eines Organspendeausweises, so kannst du dies vermerken. Hierzu gibt es jedoch zu beachten, dass du in diesem Falle lebenserhaltende Maßnahmen nicht grundsätzlich ausschließen kannst. Du würdest sie nicht mitbekommen, jedoch kann es, um die Organe am Leben zu halten, bis das Entnahmeteam angereist ist notwendig werden.

Hier noch einmal die wichtigsten Punkte als Liste zusammenfasst:

  • Künstliche Ernährung und Flüssigkeitsgabe
  • Beatmung
  • Einsatz von Therapiemaßnahmen wie Chemotherapie
  • Nutzung medizinischer Möglichkeiten, zum Beispiel bei Demenz oder Koma
  • Verfahren bei Schmerzen.
  • Wiederbelebungsmaßnahmen
  • Persönliche Werte, religiöse, sowie ethische aber auch Weltanschauung und Ähnliches
  • Wünsche zur Pflege und Unterbringung (zum Beispiel menschenwürdig, mit Zuwendungen etc.)
  • Organspende

Wo soll dieses Dokument aufbewahrt werden?

Kurz habe ich ja schon angedeutet, dass es sinnvoll ist mehrere Ausführungen an verschiedenen Orten zu hinterlegen. Ratsam wäre zum Beispiel der Aufbewahrungsort aller, wichtiger Dokumente, vielleicht mit einem separierten Ordner, dessen Aufschrift eindeutig darauf hinweist, dass hier eine Patientenverfügung oder „Dokumente für den Notfall“ zu finden sind. Außerdem kann der Hausarzt, wie schon erwähnt eine Ausfertigung in der Patientenakte aufbewahren und es gibt ein Register, hier lässt sich jede Patientenverfügung registrieren. So können auch Behörden, im Falle der Bestellung eines Berufsbetreuers auf die Dokumente zugreifen.

Ergänzende Dokumente.

Um für den Ernstfall vorgesorgt zu haben und wirklich alles zu bedenken gibt es noch weitere Möglichkeiten eine Patientenverfügung mit Vollmachten und anderen Dokumenten zu erweitern. Hierzu zählt zum Beispiel die Vorsorgevollmacht oder eine Betreuungsverfügung. Den Organspendeausweis habe ich ja schon erwähnt.

Um Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung dreht sich der nächste Beitrag der Kategorie Tipps und Tricks.

Infos zum Organspendeausweis gibt es hier: https://projektlebenaktiv.com/2018/11/25/organspende-anderungen-im-transplantationsgesetz-ab-2019/

Recherchegrundlagen:

https://www.vorsorgeregister.de/ (Abgerufen am 2.6.2019)

https://www.meinepatientenverfügung.de/wie-man-eine-patientenverfuegung-schreibt-tipps-zum-ausfuellen/ (Abgerufen am 2.6.2019)

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/patientenverfuegung.html (Abgerufen am 2.6.2019)

https://www.herzstiftung.de/patientenverfuegung.html (Abgerufen am 2.6.2019)

1 Kommentar zu „Tipps und Tricks – Vorgesorgt für den Ernstfall, die Patientenverfügung

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