Wir müssen reden – Ein offener Brief an die Bewerber in der persönlichen Assistenz

Liebe Bewerber,

über jede Bewerbung, welche in meinem Postfach landet, freue ich mich sehr. Häufig antworte ich noch innerhalb weniger Stunden. Gemeinsam finden wir Termine für Vorstellungsgespräche, Probearbeiten und Hospitation. Jeder einzelne wird sorgfältig in meinem Terminplan platziert und freigehalten. Ich nehme mir Zeit, ich möchte herausfinden, ob ein Kandidat in mein Team passt. Für diese Zeiten nehme ich auch keine freiberuflichen Aufträge meinerseits an. Ich möchte bestmöglich für euch da sein und euch einen Einblick in den Arbeitsalltag bei mir geben.

Leider muss ich in letzter Zeit eine dramatische Häufigkeit der Absagen, kurz vor dem anstehenden Termin bemerken. Es scheint die Regel zu werden, dass ein Termin über Wochen geplant wird und dann, aufgrund von ganz plötzlichen, unumkehrbaren Ereignissen nicht nur der Termin verschoben, nein komplett abgesagt wird.

Warum bewirbt man sich, wenn es sich abzeichnet, dass man in nächster Zeit ins Ausland versetzt wird?

Warum bewirbt man sich, wenn man weiß, dass die familiären Umstände es nicht möglich machen flexibel zu sein (wie in der Ausschreibung gefordert)?

Warum bewirbt man sich, erscheint zum Vorstellungsgespräch, nimmt den Personalfragebogen mit und sagt mir zu, wenn man weiß, dass man sich nie wieder melden wird?

Niemand wird diese Fragen mir jemals beantworten. Niemand macht sich darüber Gedanken, dass auch ich ein Leben habe, welches wertgeschätzt werden sollte. Niemand von den mittlerweile fast zehn Leuten, welche in letzter Zeit derart kurzfristig abgesagt haben wird dieses Schreiben jemals lesen.

Ist es nicht traurig für die Gesellschaft, ich schätze, dass es nicht nur mir so geht, immer wieder lese ich in verschiedensten Foren, dass Bewerber sich ankündigen und manchmal sogar gar nicht absagen und einfach nicht erscheinen. Auch mir ist das schon untergekommen. Wir haben alle (fast alle) Handys mit Terminerinnerungsfunktion, wir haben alle ein Gehirn und ich denke wir haben alle ein bisschen Pflichtbewusstsein um rechtzeitig entscheiden zu können, ob man einen Termin wahrnimmt oder nicht. Natürlich kann man mal kurzfristig krank werden, da sage ich dann auch nichts, das ist in Ordnung. Aber Kreuzungen mit anderen Terminen, mit dem Hauptjob oder anderen, planbaren Sachen kann ich einfach nicht nachvollziehen. Es ist traurig für unsere Gesellschaft, dass solche Praktiken alltäglich werden. Deshalb möchte ich gerne an euch appellieren, ein bisschen mehr Verantwortung und Loyalität auch gegenüber der anderen Terminseite zu entwickeln. Auch Assistenznehmer (Arbeitgeber) haben auch ein Privatleben und möchten nicht sitzen gelassen werden. Wir sind zwar behindert aber keine Menschen zweiter Klasse.

Mit besten Grüßen

Laura Mench

1 Kommentar zu „Wir müssen reden – Ein offener Brief an die Bewerber in der persönlichen Assistenz

  1. Stimmt, das ist echt traurig. Bei unserem Pflegedienst ist das leider auch oft so. Zumindest bekomme ich das manchmal bei Gesprächen mit den Pflegern oder der Chefin mit.

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