Organspende – Änderungen im Transplantationsgesetz ab 2019

Es ist immer eine kritische Situation, wenn ein geliebter Mensch von uns geht. Jeder geht anders mit dieser Situation um. Der eine lenkt sich ab, der andere ist von der Trauer gelähmt oder er zeigt die Trauer offen.

Noch schlimmer ist es, wenn ein geliebter Mensch nur noch durch Maschinen am Leben gehalten werden kann, der Hirntod aber schon eingetreten ist.Wenn keine Chance besteht, dass diese Person wieder aufwacht.

Sollte der Hirntod von zwei, voneinander unabhängigen Ärzten
diagnostiziert sein, steht die Option der Organspende im Raum. Um den
Angehörigen diese Entscheidung abzunehmen wurde der Organspendeausweis
eingeführt. Dieser wird in einer solchen Situation zur Entscheidung
hinzugezogen.

Was ist ein Organspendeausweis?

Unter einem Organspendeausweis versteht man ein scheckkartengroßes Dokument, auf welchem vermerkt wird, dass man im Todesfall seine Organe, sofern sie in Ordnung sind an transplantationsbedürftige Patienten weitergeben möchte.

Wie läuft eine Organspende ab?

In jedem Krankenhaus, in jeder Klinik muss es seit der letzten Änderung des Transplantationsgesetzes sogenannte Transplantationsbeauftragte geben. Diese sind dafür zuständig, dass mögliche Organspender ausfindig gemacht werden und sie stehen nach der Diagnose des Hirntods den Angehörigen und dem Intensivpersonal beratend zur Seite.

Nach der Entscheidung für die Organspende werden alle, notwendigen Daten an die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) Weitergegeben. Diese gibt die Daten an Eurotransplant
Internationale Vermittlungsstelle für Organtransplantationen zwischen den Beneluxländern, Deutschland, Österreich, Schweiz und Ungarn
zur Vermittlung weiter.

Nimmt dieser Patient das Organ an muss er sich sofort in das Transplantationszentrum seines Vertrauens begeben und wird dort auf die Operation vorbereitet. In der Zwischenzeit organisiert die DSO den Organtransport. Häufig macht sich ein Team des Empfängerkrankenhauses auf den Weg um das Organ zu begutachten und abzuholen.

Ist das Organ erfolgreich beim Empfänger angekommen wurde dieser schon vollständig für die OP vorbereitet und kann das Organ empfangen. Im Durchschnitt erhöht eine Organspende die Lebenserwartung eines schwerstkranken Menschen um einige Jahre. Einen genauen Durchschnitt gibt es hier nicht, es gibt viele Faktoren, welche in die Lebenserwartung nach einer Organspende involviert sind.

Die Zahl der Organspender sinkt:

Nach dem Organspendeskandal im Jahre 2012 ist das Vertrauen in den korrekten Ablauf einer Organspende zerrüttet, es gibt mehr Menschen, die eine Organspende explizit ablehnen.

Statistiken der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zufolge wurden im Jahre 2012 1046 Organe transplantiert. Im Jahre 2017 waren esnur noch 797.

Erschreckende Zahlen, wenn man bedenkt, dass es in der Datenbank der Eurotransplant im Durchschnitt 10.000 wartende Empfänger gibt.

Aktuelle Entwicklung:

Aufgrund dieser erschreckenden Zahlen hat der Gesundheitsminister Jens Spahn eine Änderung des Transplantationsgesetzes auf den Weg gebracht. In der 1. Jahreshälfte 2019 soll diese in Kraft treten.

Einige Inhalte der Änderung:

Stärkung der Transplantationsbeauftragten durch

  • einen Berechnungsschlüssel für die Anzahl der Transplantationsbeauftragten anhand der Intensivbetten
  • gesetzliches Zugangsrecht auf allen Intensivstationen
  • uneingeschränkte Einsicht in alle Patientenakten zur Auswertung des Spenderpotenzials
  • fachspezifische fort- und Weiterbildungen

Änderungen für die Entnahmekrankenhäuser:

  • bessere Vergütung für den Prozessablauf einer Organspende
  • Anspruch auf pauschale Abgeltung für die Leistungen im Rahmen des Spendeprozesses
  • Zuschlag für besondere Inanspruchnahme der innerbetrieblichen Infrastruktur
  • kleinere Entnahmekliniken sollen bundesweit durch qualifizierte Ärzte unterstützt werden
  • Einrichtung eines Bereitschaftsdienstes für Organtransplantationen zur Beratung kleinerer Kliniken
  • flächendeckendes Berichtssystem bei der Spendererkennung und Spendermeldung
  • Auswertung der Spenderdaten durch die Koordinierungsstelle
  • klare Dokumentation der Zuständigkeiten

Änderungen für Angehörige:

  • der Austausch des Empfängers mit den Angehörigen des Spenders soll in anonymisierter Form möglich gemacht werden


diese Liste ist nur ein Auszug mit den wichtigsten Änderungspunkten. Die vollständige Liste finden Sie unter diesem Link.

Was bedeuten diese Änderungen?

Vor allem für die Angehörigen und die Empfänger ist die Erweiterung des Transplantationsgesetzes durch die Möglichkeit des Austauschs anonymisierter Schreiben von großer Bedeutung. In der Trauerarbeit, sowie inder Verarbeitung der Transplantationsgeschehen haben solche Briefe einen sehr hohen Stellenwert.

Für die Kliniken bedeutet dieses Gesetz eine bessere, finanzielle Unterstützung und eine höhere Bereitschaft, potentielle Spender zu melden. Aber auch ein höherer Bürokratieaufwand wird dadurch entstehen, da die Qualitätssicherung und die Nachweise der finanziellen Mittelverwendung erbracht werden müssen.

Diese Änderungen bringen schon eine deutliche Verbesserung in den Strukturen der Organspende. Was diese Änderungen jedoch nicht bewirken ist, dass sich die deutsche Bevölkerung immernoch nicht intensiv genug mit dem Thema Tod und Organspende auseinandersetzt. Dieses Thema ist in manchendie Bereichen Deutschlands schon fast zum Tabu geworden. Keiner traut sich darüber Aussagen zu treffen, keiner denkt darüber nach und interessieren tut es sowieso niemanden. Die Entscheidung nach dem Hirntod müssen somit die Verwandten treffen. Keiner versetzt sich in deren Lage. Warum nehmen wir alle nicht von unserem Recht Gebrauch, selbst zu bestimmen was mit unserem Körper nach dem Tod passiert? Und wer mir jetzt mit dem Argument kommt, dass er keine Zeit dazu hätte sich einen Organspendeausweis zuzulegen, dem schlage ich das PDF-Dokument, welches zum Ausdruck bereit auf vielen, verschiedenen Plattformen zur Verfügung steht wahrlich um die Ohren. Wir verschwenden doch auch unsere Zeit damit, endlose, sinnlose Serien auf Streamingsdiensten zu schauen. Da werden wir doch wohl 2 Minuten Zeit haben, ein PDF-Dokument auszudrucken, dieses auszufüllen und in unsere Brieftasche zu stecken.

Referenzen:

https://www.organspende-info.de/organspendeausweis/informieren (abgerufen am 24.11.2018)

https://www.organspende-info.de/organ-und-gewebespende/verlauf (abgerufen am 24.11.2018)

https://www.organspende-info.de/infothek/statistiken (abgerufen am 24.11.2018)

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/organspende/organspende-in-deutschland.html (abgerufen am 24.11.2018)

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/gzso.html (abgerufen am 24.11.2018)

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/deutschland-warum-so-wenige-organe-gespendet-werden-studie-a-1216871.html (abgerufen am 24.11.2018)

2 Kommentare zu „Organspende – Änderungen im Transplantationsgesetz ab 2019

  1. Es ist schon sehr interessant was wir Menschen in uns tragen und es nicht wert schätzen. Es ist schon unglaublich wie viele Menschen auf Organe warten.

    Lg Margret

    Gefällt mir

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