(Spezial) wie barrierefrei sind deutsche Großstädte – der ADAC hat‘s getestet

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Gestern veröffentlichte der ADAC die Ergebnisse aus einem deutschlandweiten Test bezüglich der Barrierefreiheit verschiedenster Einrichtungen. Getestet wurde nicht nur auf Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer, auch die Barrierefreiheit für blinde und Sehbehinderte, sowie für Hörbehinderte und gehörlose Personen wurde integriert.

Durchgeführt wurde der Test in zehn deutschen Städten. Darunter Berlin, Frankfurt am Main, Stuttgart, Bremen, Hamburg, Hannover und Kiel. In den Städten Leipzig und München wurde auch getestet. Vorab entstanden anhand von Vorgaben der EU, DIN-Normen und Vorgaben des Bundes, sowie der Landesebenen Checklisten für die unterschiedlichen Bedürfnisse der einzelnen Richtungen der Behinderung (blind, taub, gehbehindert/Rollstuhlfahrer) erstellt. Anhand würden die Ergebnisse erhoben. In jeder Stadt wurden fünf Locations besucht und beurteilt. Darunter das Einwohnermeldeamt, das größte Klinikum, der Hauptsitz der Volkshochschule, das größte Kino und die nächstgelegene Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs.

Grundsätzlich lässt sich aus der Statistik entnehmen, dass die Barrierefreiheit auf Ämtern noch nicht vollständig erreicht ist. Zwar haben 80 % der Einwohnermeldeämter einen barrierefreien Eingang, in Form einer Rampe, für blinde jedoch gibt es seltener (lediglich bei 9 %) Markierungen in hohem Kontrast oder Tastbar. Auch die Tresen sind größtenteils zu hoch und nicht unterfahrbar. Nur 17 % der Einwohnermeldeämter haben unterfahrbare, niedrige Tresen.

Sprechen wir nun von der Barrierefreiheit im öffentlichen Nahverkehr. Immer wieder ein viel diskutiertes Thema, jede Stadt handhabt das ganze anders. Es geht hervor, dass nur 68 % der Bahnsteige barrierefrei gestaltet sind. D. h., dass er für Rollstuhlfahrer genauso gut nutzbar ist wie für blinde und hörbehinderte. Bei lediglich 52 % der getesteten Bahnsteige gibt es eine tastbare Markierung der Bahnsteigkante. Da haben es Rollstuhlfahrer doch etwas besser, denn 68 % der Bahnsteige waren für Rollstuhlfahrer stufenlos oder mit Rampe und Aufzug erreichbar. Anmerken muss ich aber, dass im Video zur Studie auf dem YouTube Kanal des ADAC von, Zitat: „völlig barrierefreien Treppen“ die Rede ist. Habt ihr schon mal eine barrierefreie Treppe gesehen? Also ich nenne das dann Rampe mit Leitlinien für Sehbehinderte.

Sehr erfreulich sieht das Ergebnis bei den getesteten Kinokomplexen aus. 100 % der Kinos im Test sind mit Rollstuhlplätzen in den Vorführungssälen ausgestattet.

Bei Parkmöglichkeiten vor Einkaufszentren, Einwohnermeldeämtern oder Freizeiteinrichtungen sieht das ganze schon wieder anders aus. Sehr gefährlich ist es, wenn ein eingeschränkter Mensch auf die Straße aussteigen muss, am besten noch in den laufenden Verkehr. Dies ist bei 79 % der getesteten Parkplätze der Fall. Die Parkscheinautomaten sind auch nur sehr selten auf barrierefreier Höhe.

 

Mein Fazit zu dieser Studie setzt sich zusammen aus Erfahrungen meinerseits und den Ergebnissen des Tests. Ich finde es super, dass es derartige Studien gibt und dass sich eine große Institution wie der ADAC auch mit Barrierefreiheit beschäftigt. Trotzdem muss ich anmerken, dass ich, wie schon gesagt noch nie eine „völlig barrierefreie Treppe“ gesehen habe und mir außer einer Rampe mit Blindenleitsystem nicht vorstellen kann, was das sein soll. Auch schade ist, dass in zehn Städten jeweils fünf getestete Einrichtungen für meinen Geschmack zu wenige sind. Insgesamt 50 Einrichtungen können niemals für den Durchschnitt in ganz Deutschland stehen. Eine groß angelegte Studie, vielleicht auch mit Betroffenen als Testpersonen halte ich für notwendig um die „wahre Barrierefreiheit“ zu erheben. Außerdem gibt es anzumerken, dass die Darstellung der Ergebnisse völlig unspezifisch ist. Ich hätte mir das besser aufgeschlüsselt vorgestellt, zum Beispiel die einzelnen Ergebnisse der Einrichtungen, zum Beispiel nur die Prozentzahl der Einwohnermeldeämter und an anderer Stelle die Prozentzahl der Kinos usw. Auch eine Sortierung nach Art der Behinderung (gehbehindert/Rollstuhlfahrer, sehbehindert/blind oder hörbehindert/taub) könnte den Betroffenen das Suchen erleichtern.

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Alle angegebenen statistischen Daten beziehe ich aus folgender Quelle:

https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/tests/barrierefrei-alltag-unterwegs/

https://www.adac.de/infotestrat/tests/strassen/default/default.aspx?ComponentId=329779&SourcePageId=317570

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