Persönliche Assistenz – Mit ansprechender Stellenausschreibung zum tollen Team

Foto: Andy Waillant via Gesellschaftsbilder.de

Hinweis: Aus lesbarkeitsgründen verzichtet dieser Text auf Gendersternchen, es wird die neutrale, bzw. männliche Form der Worte verwendet. Selbstverständlich sind damit natürlich alle Gender gemeint.

Persönliche Assistenz ermöglicht Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben. Dies erlangen sie durch den Aufbau von Assistenzteams/Pflegeteams. Wenn der Mensch mit Behinderung das Arbeitgebermodell gewählt hat, ist er für alle Belange rund um das persönliche Budget, darunter auch die Personalsuche, selbst zuständig. Warum ist es wichtig, eine ansprechende Stellenausschreibung zu haben, was schreibe ich da rein, wie persönlich muss diese sein und wie sollen mich die neuen potenziellen Arbeitnehmer kontaktieren können? All diese Fragen prasseln von jetzt auf gleich auf den Menschen ein. In diesem Beitrag gibt es Tipps und Tricks rund um die Stellenausschreibung für persönliche Assistenz.

Warum ist eine Stellenausschreibung notwendig?

Der Umfang der persönlichen Assistenz ist unterschiedlich. Manche Menschen mit Behinderung erhalten kleine Budgets, für einige Stunden in der Woche, andere erhalten ein großes Budget für 24 Stunden am Tag. Egal wie groß ein Budget ist, Mitarbeiter (Assistenten) müssen gefunden werden. Verwandte dürfen nur in den seltensten Fällen eingesetzt werden. Sicher ist es möglich, ohne eine Stellenausschreibung, z.B. durch „Mund-zu-Mund-Propaganda“ Personal zu finden, das ist aber selten und sehr schwierig. Dank Medien wie Zeitung, Radio und vor allem dank Internet besteht die Möglichkeit, für uns völlig fremde Menschen zu erreichen und ihnen unser Jobangebot zu präsentieren.

Viele Assistenznehmer sind nicht zwingend auf Fachpersonal angewiesen und in der Lage, persönliche Assistenten individuell zu schulen. Damit ein Assistenzteam entstehen kann, benötigt ein Assistenznehmer (je nach Stundenumfang des Budgets) mindestens zwei Personen. Das liegt daran, dass ein Arbeitnehmer ein Recht auf Urlaub hat und auch mal krank sein kann. Damit die Versorgung durch persönliche Assistenz nicht deshalb gefährdet wird, muss es mindestens eine mögliche Vertretungsperson geben. Um das nötige Personal zu finden und zu binden ist eine gute Stellenausschreibung Grundvoraussetzung.

Wie schreibt man eine Stellenausschreibung?

Eine Stellenausschreibung für die persönliche Assistenz unterliegt kaum offiziellen Regeln. Das heißt, sie kann so persönlich und individuell sein, wie der Assistenznehmer dies wünscht. Es ist immer hilfreich, wenn der zukünftige Assistent vielleicht schon durch die Stellenausschreibung eine Ahnung davon bekommen kann, welcher Typ Mensch sich hinter der Ausschreibung verbirgt, ob z.B. der Humor passt oder einige Hobbys …

Die einzige Regel, der alle Stellenausschreibungen unterliegen, die Unternehmen verfassen, ist das Benachteiligungsverbot. Das heißt, dass in Stellenausschreibungen z.B. keine Diskriminierung von Geschlechtern oder Menschen mit Behinderung gemacht werden darf. In der persönlichen Assistenz ist das eine sehr schwierige Sache, denn viele von uns wünschen sich aus verschiedenen, persönlichen Gründen ein bestimmtes Geschlecht, dass die Versorgung übernimmt. Das sollte so auch in der Stellenausschreibung durchaus kommuniziert werden können, damit das regelkonform passiert, ist einiges an Feingefühl nötig. Hier mal ein Beispiel:

… Ich suche für mein bestehendes Assistenzteam persönliche Assistentinnen (W)

… Ich suche für mein bestehendes Assistentinnenteam Verstärkung.

Was ist hier der Unterschied? Ganz einfach, das erste Satzfragment (roter Kasten) schließt durch den Einsatz der weiblichen Wortformen und den Geschlechterhinweis (W) generell das männliche Geschlecht aus. Das ist Diskriminierung.

Im Vergleich dazu bietet das zweite Satzfragment (grüner Kasten) einen indirekten Hinweis darauf, dass nur Assistentinnen beschäftigt sind. Somit wird in der Stellenausschreibung nur kommuniziert, dass aktuell ausschließlich weibliche Personen beschäftigt sind.

Übrigens: Auch Altersangaben können als diskriminierend aufgefasst werden. Somit sollten diese nach Möglichkeit auch vermieden werden.

Welche Informationen muss eine Stellenausschreibung enthalten?

Eine Stellenausschreibung für persönliche Assistenz braucht neben dem persönlichen „Touch“, den der Assistenznehmer ihr verleihen kann, einige, wichtige Hinweise für die Bewerber, damit man weiß, was auf einen zukommt. Folgende Informationen sollten in einer Stellenausschreibung enthalten sein:

Allgemeine Informationen– Anzahl der gesuchten Personen
– möglicher Arbeitsbeginn (Datum)
– Arbeitsort
– Stundenumfang der ausgeschriebenen Stelle (z.B. 20 Stunden in der Woche)
– Arbeitszeiten
– Vergütung (Stundenlohn)
– Art der Anstellung (Sozialversicherungspflichtig, Minijob)
– Hinweis auf persönliches Budget (eventuell kurze Erklärung)
– Angabe zukünftiger Arbeitgeber (Arbeitgebermodell oder Dienstleister)
– welche Bewerbungsunterlagen werden gebraucht? (Z.B. Anschreiben, Lebenslauf, polizeiliches Führungszeugnis)
– Kontaktdaten (wo kann die Bewerbung eingereicht werden? wo können Fragen gestellt werden?
– Meistens E-Mail-Adresse
– auch Telefonnummer
– manchmal Post
Anforderungen an den Bewerber– Qualifikation
– Sprachkenntnisse (z.B. falls Schul- oder Studienbegleitung notwendig ist)
– Führerschein?
– Flexibilität?
– Sonstige Eigenschaften (z.B. Zuverlässigkeit, keine Tierhaarallergie)
Ich als Arbeitgeber bieteHier werden jetzt alle Alleinstellungsmerkmale für dich als Arbeitgeber und für dein Team eingetragen (z.B. zuverlässige Arbeitszeiten, humorvolles Arbeitsumfeld, überdurchschnittliches Gehalt (nur hinschreiben, wenn wirklich überdurchschnittlich))

Die Tabelle bietet einen Überblick über Dinge, die in einer guten und ausführlichen Stellenausschreibung stehen sollten. Da jedoch jeder Job in der persönlichen Assistenz individuell ist, ist es wichtig, dass man sich als Assistenznehmer darüber Gedanken macht, wie man sich und sein Team präsentieren möchte. Je authentischer eine Stellenausschreibung ist, desto höher sind die Chancen, dass sich das Personal bewirbt, dass man sich wünscht. Ich mag auch sehr gerne Stellenausschreibungen, die mit einem persönlichen Foto verschönert wurden. Das lässt das Ganze noch persönlicher erscheinen.

Wo kann die Stellenausschreibung überall platziert werden?

Es gibt unzählige Möglichkeiten, wo und wie man Stellenausschreibungen platzieren und präsentieren kann. Eine einfache und effektive Lösung ist das Internet. Über das Internet habe ich schon sehr viele persönliche Assistenten gefunden. Eine Übersicht über aktuelle Jobbörsen in der persönlichen Assistenz hat der Verein aktiv und selbstbestimmt zusammengestellt. Hier gehts zur Übersicht:

Außerdem gibt es in den meisten sozialen Netzwerken (z.B. Facebook) Gruppen, in denen man regional Jobs anbieten und suchen kann. Auch hier bin ich schon oft fündig geworden.

Ansonsten gibt es, wie wir alle wissen, große Portale, auf denen unzählige Stellenausschreibungen von großen und kleinen Unternehmen platziert sind. Diese Kosten häufig etwas Geld. In den meisten Budgets ist dafür kein Geld einkalkuliert. Sollte ein Assistenznehmer dahingehend Bedarf sehen, ist es wichtig, dass er sich vor der Bezahlung an den Kostenträger wendet und über die Übernahme der Kosten verhandelt.

Auch analog gibt es die Möglichkeit, auf die freie Stelle aufmerksam zu machen. An Universitäten habe ich schon Zettel mit meinem Stellenangebot aufhängen lassen, gerade wenn man Studenten im Team hat, ist es ein Leichtes, weitere Studenten zu suchen und zu finden. Sicher, man kann die Stellenausschreibung auch an die nächste Straßenlaterne hängen. Was jedoch die Stadt oder das Wetter davon hält, wird sich in den kommenden Stunden zeigen. Die Effektivität dieser Maßnahme habe ich persönlich bisher nicht ausprobiert.

Fazit

Zusammenfassend ist zu sagen, dass eine persönliche Stellenausschreibung durchaus ein Bewerbermagnet sein kann. Gerade in Zeiten von Personalmangel, Fachkräftemangel und allgemeiner Versorgungsunsicherheit ist es den Arbeitnehmern wichtig, dass sie einen Arbeitgeber finden, der zu ihnen passt. Einen Eindruck gewinnen die Arbeitnehmer durch eine persönliche Stellenausschreibung. Gerade die persönliche Assistenz hat dahingehend viele Möglichkeiten, da jeder Arbeitgeber (Assistenznehmer) anders ist. Genau diese Diversität sollten unsere Stellenausschreibungen ausstrahlen, damit wir das richtige Team für uns finden und die Bewerber das richtige Team, um langfristig glücklich zu sein. Denn das ist für mich das Wichtigste an einem Team für persönliche Assistenz, dass alle Mitarbeiter gerne bei mir arbeiten, dass ein gutes Teamgefühl herrscht und jeder auf den anderen achtet.

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