Die Neujahrsansprache der Königin von Schloss Euleneck

Schriftform für Selbstleser und Hörgeschädigte:

Liebe Follower und sonstige Schlossgeister,

Das Jahr 2019 ist Geschichte, mit all seinen Skandalen, Dramen und Ereignissen. Doch wir verabschieden nicht nur ein Jahr, wir verabschieden ein ganzes Jahrzehnt. Ein Jahrzehnt, das geprägt war von Inklusion, Optimierung und Dialog. Es zeigte uns aber nicht nur, dass wir einen ganzen Schritt vorangekommen sind, in der Mission, dass es für jeden Menschen normal sein muss, mit Menschen mit Behinderung umzugehen, es führte uns auch vor Augen, dass wirtschaftliche Interessen regelmäßig für Rückschläge und Einschnitte sorgen können. Vor allem das vergangene Jahr präsentierte dies in seiner vollsten Pracht. Mit dem Referentenentwurf Risg (mittlerweile Ipreg) bewies uns der Gesundheitsminister Jens Spahn den Einfluss der Wirtschaft.

Für mich persönlich verlief das Jahr doch relativ ruhig, ich lebe mein Leben, ich führe mein Königreich und bilde mich weiter. Doch alles in allem wird mir jedes Jahr erneut bewusst, dass es nicht einfach ist, ohne betriebliche Vorkenntnisse, ohne Fortbildung und ohne Training, auf eigene Faust, Arbeitgeber zu sein. Auch hat mich mein treues, elektronisches Gefährt nach sieben zuverlässigen Jahren endgültig verlassen. Aktuell steht seine Leiche immer noch in meiner Wohnung, ich kann mich einfach noch nicht von ihm trennen und sein Nachfolger ist zwar schon bestimmt, aber bisher weder geliefert noch umgebaut. Somit geht es für mich mit dem manuellen Rollstuhl in die letzte Hälfte der Ausbildung und danach ins Bachelor-Studium.

2020 wird für mich eine Herausforderung, nicht nur aufgrund der Tatsache, dass jedes Jahr als Arbeitgeber eine Herausforderung ist, sondern auch, weil mein Studium an drei verschiedenen Standorten (zwei davon in Deutschland und einer in Österreich) stattfinden wird. Noch nie zuvor bin ich mit Rollstuhl so viel gereist.

2020 wird aber auch für die gesamte Behindertenbewegung ein sehr wichtiges Jahr. Es gilt, Präsenz zu zeigen, Kritik zu üben und das Vorhaben unseres Gesundheitsministers zu verhindern oder im Notfall auch zu beklagen. Es gilt außerdem, sich aktiv gegen Hetze, Gewalt und Strömungen zu stellen, die gegen Vielfalt, Diversität und Inklusion sind. Es ist wichtig, dass wir die Entwicklungen, egal ob politisch, sozial oder ideologisch im Auge behalten und uns rechtzeitig für uns und unsere Interessen stark machen und uns einbringen, um die Situation für uns Menschen mit Behinderung zu erhalten und zu optimieren.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein erfolgreiches neues Jahr, ein noch besseres Jahrzehnt und die Umsetzung aller guten Vorsätze.

Eure Königin von Schloss Euleneck

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