Tipps und Tricks – Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege

Verhinderungspflege:

Die Verhinderungspflege ist eine Leistung der Pflegekasse. Diese kommt zum Einsatz, wenn die Pflegeperson aus unterschiedlichsten Gründen verhindert ist. Es wird dabei unterschieden, ob die Pflegeperson am Tag weniger als 8 Stunden verhindert ist oder mehr als 8 Stunden. Im Jahr steht jedem ab Pflegegrad 2 bis zu 1612 € zu.

Wer kann für die Verhinderungspflege eingesetzt werden?

Eingesetzt werden kann jeder. Die Person muss keine Ausbildung haben, sie muss auch nicht direkt mit der Pflegekasse abrechnen können. Das erledigt alles der Pflegebedürftige, seine Angehörigen oder der gesetzliche Betreuer.

Ist die Person, welche die Pflegeperson vertritt mit dem Pflegebedürftigen in irgendeiner Weise verbunden, verwandt oder verschwägert, so steht maximal das 1,5 fache des Pflegegeldes zur Bezahlung bereit.

Wenn die eingesetzte Person in keinster Weise mit dem gepflegten verwandt oder verschwägert oder verbunden ist kann der Satz frei gewählt werden.

Stundenweise Verhinderungspflege:

ist die Pflegeperson weniger als 8 Stunden am Tag verhindert (zum Beispiel Friseurbesuch) so ist es wichtig, dies bei der Beantragung anzugeben. Hier gibt es keine weiteren Einschränkungen.

Tageweise Verhinderungspflege:

ist die Pflegeperson mehr als 8 Stunden am Tag verhindert (zum Beispiel durch Urlaub) muss dies ebenfalls angegeben werden. Hier gibt es gewisse Einschränkungen, das Pflegegeld zum Beispiel wird ab dem 3. Tag der tageweise Verhinderungspflege um ein sechzigstel (monatlicher Betrag) gekürzt.

Wie wird die Verhinderungspflege abgerechnet?

Dieser Betrag wird entweder als Komplettpaket abgerufen, oder er kann in kleinen Schritten immer wieder angezapft werden. Ein Beispiel an mir selbst:

Aufgrund einer Grippewelle waren in meinem Assistenzteam viele Leute krank. Ich musste auf externe Leute zurückgreifen, die über mein persönliches Budget nicht in einem Vertragsverhältnis mit mir stehen. Somit kann ich diese Leute auch nicht über das persönliche Budget bezahlen. Hier kommt die Verhinderungspflege ins Spiel. Ich habe eine Person, die nicht mit mir verwandt ist und auch nicht in meinem Haushalt lebt für die Verhinderungspflege eingesetzt. Wir haben einen Stundensatz von ca. 10 € vereinbart. Am Ende wurde berechnet, wie viel Geld insgesamt meine Verhinderungspflegeperson erhält. Ich habe diesen Betrag aus privaten Mitteln vorgestreckt und einen Antrag auf Verhinderungspflege eingereicht. Ich erhalte als Antwort eine vorläufige Bewilligung und einen Bogen, auf welchem ich genau aufschlüsseln muss wann die Pflegeperson ausgefallen ist, wie lange und wie viel Geld ich der Vertretung gegeben habe. Dieser Bogen wird nun zurückgesendet an die Krankenkasse. Nach einer (gefühlt) langwierigen Bearbeitungsphase erhalte ich nun den Betrag in voller Höhe von meinem Verhinderungspflegebudget erstattet.

Rechnerisch sieht das ganze wie folgt aus:

Gesamtbetrag1612, 00 €
Bezahlt an Verhinderungspflegeperson305,00 €
Restbetrag1307,00 €

Ein kurzer Tipp am Rande:

Es ist immer hilfreich, wenn man eine Übersicht über die schon abgerufenen Leistungen hat. Ich persönlich führe eine Exceltabelle. Diese berechnet mir wie viel von der Verhinderungspflege ich im laufenden Kalenderjahr schon abgerufen habe und wie viel noch übrig ist.

Kurzzeitpflege:

in einem gewissen Sinn gehört die Kurzzeitpflege zu Verhinderungspflege. Sie wird eingesetzt, wenn der Pflegebedürftige vorübergehend nicht zu Hause versorgt werden kann. Zum Beispiel zur vollständigen Entlastung der Angehörigen, wenn sich die gesundheitliche Situation plötzlich verschlechtert oder wenn die Pflegebedürftigkeit ganz plötzlich aufgetreten ist und so schnell nicht die Häuslichkeit umgerüstet werden kann. Auch zum Testen einer Pflegeeinrichtung für die dauerhafte vollstationäre Unterbringung kann die Kurzzeitpflege eingesetzt werden. Im Jahr stehen 56 Tage zur Verfügung. Die Kurzzeitpflege muss in einer vollstationären Einrichtung geleistet werden. Eine Liste, welche Einrichtungen für die Kurzzeitpflege infrage kommen gibt die eigene Pflegekasse auf Anfrage heraus.

Anspruch auf Kurzzeitpflege hat wie bei der Verhinderungspflege jeder ab Pflegegrad 2.

Sonderfall, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege kombinieren:

Reicht im aktuellen Kalenderjahr das Budget der Verhinderungspflege nicht aus, der Pflegebedürftige kann aber zu Hause versorgt werden, so ist es möglich, die Verhinderungspflege aufzustocken. Insgesamt hat man dann maximal 2418 € zur Verfügung. In diesem Fall muss die Kurzzeitpflege nicht in einer Einrichtung geleistet werden.

Umgekehrt ist dasselbe auch möglich, gibt es ungenutzte Verhinderungspflegeressourcen, so lässt sich die Kurzzeitpflege damit ergänzen. Somit ist es möglich, dass der Pflegebedürftige bis zu 8 Wochen im Jahr in einer vollstationären Einrichtung verbringt.

Recherchegrundlagen:

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/verhinderungspflege.html
(Stand: 26. Juni 2018)

https://www.pflege.de/altenpflege/kurzzeitpflege/ (Stand: 5. Februar 2019)

 

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