Wer bezahlt das Öffnen eines Fensters?

Ich bin fassungslos. Ich kann es einfach nicht glauben, heute Morgen war die digitale Videokonferenz bezüglich meines persönlichen Budgets. Erst versucht sich das Landratsamt mit technischen Problemen ganz rauszuziehen. Damit kamen sie aber nicht durch. Zum Glück hatte meine Anwältin die Idee, 2 Telefone nebeneinander zu stellen. So konnte das Landratsamt indirekt an der Sitzung teilhaben. Ich bin ja immer für die Integration von Technikflüchtlingen 😉

Umso Ärgerlicher ist es jedoch, dass die hauptsächliche Klärung alleine zwischen mir, meiner Anwältin und der Krankenkasse am Produktivsten war. Und zwar zu diesen Zeiten, als das Landratsamt noch nicht dabei war. Kaum war das Hauptproblem des Verfahrens mit im Meeting wurde natürlich die Frage in den Raum geworfen, welche Möglichkeiten der Finanzierung seitens des Landratsamtes unterstützend hinzuzuziehen sind. Die Behörde vertritt tatsächlich die Meinung, dass es vollkommen ausreicht und auch noch sehr kulant sei, wenn man mir 20 Stunden Freizeit in der Woche bezahlen würde. Von der Assistenz für die Ausbildung wird komplett Abstand genommen, die Ausbildung sei ja nicht förderungswürdig und anzuerkennen. Das ist doch ein Witz! Ich mache diese Ausbildung mit dem Wissen, dass ich natürlich an einer privaten Akademie kein BAföG bekommen kann aber das dann auch noch versucht wird, die Assistenz abzuschreiben ist ja wohl der Hammer. Auch von der Leistung „Hilfe zur Pflege“ wird Abstand genommen, dafür sei die Pflegekasse zuständig. Da existiert aber eine Deckelung auf 18 Stunden und ein Tag hat immer noch 24 Stunden. Daran wird sich auch nichts ändern, wenn das Landratsamt sich nicht zuständig fühlt. Wer nicht möchte, den muss man zwingen.
Eigentlich wäre es sinnvoll, wenn das Verfahren an die Behörde in Berlin abgegeben werden würde. Dies ist jedoch aufgrund des fehlenden Bescheides nicht möglich. Es ist wohl sehr schwierig, einen Bescheid auszustellen. Sonst hätte ich schon längst einen.
Um jedoch den hauptsächlichen Inhalt des Gesprächs aufzuzeigen gibt es hier den folgenden Beispiel Dialog:

Krankenkasse: „… Das Einschalten des Computers, das Öffnen des Fensters usw. sind keine Leistungen der Pflegekassen. Diese Leistungen gehören zur Eingliederungshilfe oder zur Hilfe zur Pflege. Somit müssen Sie das bezahlen Frau …“

Landratsamt: „sprechen wir gerade tatsächlich darüber, wer zu zahlen hat, wenn das Fenster geöffnet werden soll? Es ist doch sowieso immer jemand von der Pflege da, die können das doch einfach machen.“

Ganze 25 Minuten drehte sich das Gespräch allein um diesen Punkt. Ist das nicht lächerlich? Es geht um viel mehr, es geht um ein eigenständiges Leben. Um meine Selbstbestimmung und 20 Stunden Freizeitaktivitäten in der Woche. Klar bin ich nicht so leistungsfähig wie jeder andere auch aber ganz ehrlich, 20 Stunden in der Woche sind pro Tag 2,8 Stunden. So lange brauche ich alleine um bis zu meinen Freunden zu fahren und wieder zurück. Oder besuchst du einen Freund und sagst dann nach einer Stunde, dass du nach Hause musst, weil dein Freizeitbudget aufgebraucht ist?

Ich hoffe, ich wache aus diesem Albtraum bald auf.

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