Zwei Prinzessinnen auf Tagesausflug

Eines sonntagvormittags, zwei Prinzessinnen von Burg Hindistein entschließen sich gemeinsam das schöne Wetter zu nutzen und einen Ausflug nach Mannheim in den Luisenpark zu unternehmen.
Wie es jedoch immer ist, wenn zwei behinderte Prinzessinnen auf Reisen gehen, zu beachten gibt es viel. Folgendes zum Beispiel stand auf unserer Checkliste:
Prinzessin Laura:
• Medikamente
• Regencape
• Geld und Papiere
• genug zu trinken

Prinzessin des Vertrauens:
• Ernährungspumpe
• Brille
• genug zu trinken
• Augentropfen

selbstverständlich, so unfehlbar die beiden doch sind, wenn sie gemeinsam auf Reisen sind hat mindestens eine etwas vergessen. Prinzessin Laura war schlau genug, zwar den Geldbeutel mitzunehmen aber der Inhalt ließ doch sehr zu wünschen übrig. Auch an trinken wurde nur sporadisch gedacht, 0,5 l für einen ganzen Tag waren natürlich zu wenig, bei diesen Temperaturen.
Die Prinzessin des Vertrauens und ihre persönliche Assistentin hat es jedoch noch unglücklicher getroffen, es fehlte zwar nur eine Sache, diese war jedoch so immens wichtig, dass in der Umsteigezeit in Heidelberg noch in aller Hektik eine Ampulle Augentropfen in einer Apotheke im Notfalldienst besorgen musste. Unter der Woche würde einem so etwas niemals passieren, aber sonntags, wenn die meisten Apotheken zu haben und natürlich auch alle Drogeriemärkte des Vertrauens wird es dann interessant. Zum Glück gibt es das mobile Endgerät mit Internetzugang.
Während die Assistentin zum Kauf der Augentropfen aufbrach blieben die beiden Prinzessinnen am Bismarckplatz stehen und begnügten sich mit der Beobachtung der anfahrenden Busse und Straßenbahnen. Nach einiger Zeit fällt Prinzessin Laura auf, dass alle Straßenbahnen nicht wie gewohnt mit der Aufschrift ihrer Linie und ihres Ziels, sondern mit der Aufschrift „sorry, außer Dienst“ in den Bismarckplatz ein- und wieder Ausfuhren. Also musste wieder das mobile Endgerät befragt werden, doch dieses Mal musste es leider keine Antwort.
Als die Assistentin plötzlich mit einer einer Schienenkutsche wieder am Bismarckplatz eintraf machen die beiden natürlich zeitlich gesehen schon längst in Verzug. Die Anschlussbahn ist schon lange vor ihren Augen davon gefahren. Nach insgesamt, sage und schreibe 2 Stunden war das Ziel erreicht. Dem unbeschwerten Tag im Park konnte nichts mehr entgegen gehen.
Dank der tollen Barrierefreiheit und der gut ausgestatteten Toiletten für behinderte war auch der Aufenthalt sehr angenehm. Klar gibt es immer mal wieder zwischen Prinzessinnen kleinere Zwiste um den nächsten Programmpunkt oder zum Beispiel die Musik auf der Seebühne und trotzdem lässt man sich von so etwas doch nicht einen tollen Ausflug vermiesen.
Nur noch höhere Mächte konnten uns von unserer guten Laune abbringen. Selbstverständlich schließen diese ihren Spielraum auch nicht aus. Um kurz vor 16:00 Uhr zogen dunkle Wolken am Horizont auf und plötzlich verlassen alle Kinder fluchtartig den Wasserspielplatz. Die beiden Prinzessinnen, haben sich gerade dort niedergelassen um eine Pause einzulegen werden von der Flüchtlingswelle überrascht und registrieren wenige Minuten später die ersten, dicken Regentropfen. Also musste schnellstmöglich der Heimweg angetreten werden. Der nächste Ausgang aus dem Park wurde konsultiert und die direkt dort angeschlossene Straßenbahnhaltestelle. Natürlich war diese alles andere als barrierefrei. Die Straßenbahn kam an, der Fahrer klappte die Rampe aus und sie war steiler als die meisten, welche die beiden Prinzessinnen je befahren würden. Prinzessin Laura nimmt den Steigungswinkel einer Rampe nicht als Argument, die Nutzung eben derer zu unterlassen, die zweite Prinzessin jedoch sieht das anders. Der unterschied der Vasdiele liegt darin, dass Prinzessin Laura mit höchster Geschwindigkeit auf eine Rampe dieser Art auffährt und somit zwar innerhalb der Straßenbahn heftig bremsen muss, aber trotzdem schafft sie es immer wieder den kritischen Punkt dieser steilen Rampe zu überwinden. Die zweite Prinzessin fährt mit größter Vorsicht und niedrigster Geschwindigkeit auf jeder Rampe. Ihr Rollstuhl strauchelte, er hat richtig Probleme mit der Haftung auf der Rampe und dem Übertritt des kritischen Punktes. Irgendwann ist es trotzdem geschafft und Aussteigen am Bismarckplatz ist nicht gerade das Problem. Das Problem in diesem Fall ist dann nur noch, dass der Bus, welcher nach Burg Hindistein fährt schon jetzt an der entsprechenden Haltestelle auf Passagiere wartet. Die Assistentin nimmt sprichwörtlich die Beine in die Hand und rennt so schnell wie sie kann quer über die Straße, ohne Rücksicht auf Busse, Autos etc. damit der Bus wartet, bis die beiden Prinzessinnen die Straße sicher überqueren konnten. Der nächste Bus wäre erst 30 Minuten später gefahren, eine Zeit die nicht mehr zu überbrücken gewesen wäre, denn die Gewitterfront war auf dem Vormarsch. Dem freundlichen Busfahrer sei Dank konnten die Prinzessinnen den Bus nehmen und waren rechtzeitig um 17:30 Uhr wieder zurück auf Burg Hindistein.

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